Motor/ Gesamtfahrzeugabstimmung unter Berücksichtigung der FahrbarkeitDie Abstimmung heutiger Motor- und Fahrzeug- bzw. auch Antriebsstrangkonzepte fordert in einem sehr frühen Entwicklungsstadium die Evaluierung bzw. Bewertung der Fahrbarkeit. Die konventionelle Applikation gliedert sich im Wesentlichen nach einzelnen Entwicklungsthemen:
- Thermodynamische Auslegung
- Kalibrierung/Applikation (Fahrzeug-/Motor-Emissionierung vs. Kraftstoffverbrauch)
- Fahrzeugakustik
- Allgemeinen Komfortthemen
- Fahrbarkeit
An der Reihung der einzelnen Themen lt. der Bearbeitungsfolge ist ersichtlich, dass eine frühe Kenntnis über die zu erwartende Fahrbarkeit einen deutlichen Vorteil in der gesamten Entwicklung bedeutet.
Da diese Entwicklungsaufgaben nicht getrennt voneinander bzw. rückwirkungsfrei bearbeitet werden können, kommt es häufig zu zeitaufwendigen und auch teuren Iterationsschleifen. Als ein weiteres wesentliches Werkzeug für die Optimierung der kundenrelevanten Entwicklungsthemen vs. die gesetzlichen Vorschriften im Fahrzeug hat sich die Indiziermesstechnik im Applikationsprozess etabliert. Deshalb liegt es nahe, Messwerte eines Fahrbarkeitsbeurteilungssystemes (wie AVL DRIVE™) und AVl IndiCom™ (plus dazugehörige Messkette) zu kombinieren. Eine gemeinsame Auswertung der Messgrößen mit einer dadurch zielgerichteten Entwicklungsmethodik mit einer sicheren Ableitung der nächsten Entwicklungsschritte ermöglicht eine Reduktion des Entwicklungsaufwandes bei gleichzeitiger Steigerung der Qualität.
Diversifikation durch optimierten dynamischen Drehmomentaufbau im realen Fahrbetrieb AVL DRIVE™ unterscheidet unterschiedliche Fahrzeugklassen voneinander und berücksichtigt auch die Erwartungshaltung der entsprechenden Käufergruppe an den Antriebsstrang. Die Software hilft, markenspezifische objektive Charakteristika (Branding) innerhalb einer Fahrzeugklasse herauszuarbeiten. Ein Beispiel hierfür stellt der dynamische Drehmomentaufbau dar, der innerhalb der verschiedenen Fahrzeugklassen unterschiedliche Priorität in der Kundenerwartung genießt. Der Drehmomentaufbau kann in Kombination von AVL DRIVE™ und IndiCom™ innerhalb der jeweiligen Klasse unter Einhaltung der gesetzlichen Vorschriften bzw. der Forderungen nach einem verbrauchsgünstigen Fahrzeug vollständig optimiert werden. Bild 1 zeigt das Applikationsbeispiel einer typischen Anwendung im Versuchsfahrzeug.
 | | Bild 1: Systemübersicht |
Ein Beispiel: die Ausgangssituation zeigt ein inakzeptables Tip-in Verhalten, Bild 2. Der Drehmomentaufbau versetzt den gesamten Antriebsstrang in eine Schwingung, die für den Fahrer als sich stark ändernde Längsbeschleunigung („Bonanzaeffekt“) deutlich spürbar ist. Die Software AVL Drive™ erfasst nach voreingestellten Triggerbedingungen das Fahrverhalten bei Tip-in und bewertet diesen subjektiv schlechten Zustand mit Hilfe objektiver Kriterien. Durch eine zusätzliche Indiziermessung im Fahrzeug werden die Verbrennungsvorgänge während der Tip-in Phase zunächst erfasst. Aufgrund der gemeinsamen Auswertung der Messdaten mit AVL DRIVE™ und IndiCom™ werden dann die für diesen inakzeptablen Effekt verbrennungsrelevanten Ursachen schnell detektiert.
Diese Auswertung liefert so die Basis für die Optimierung der Kombination aus Drehmomentaufbau (IndiCom™) und Antriebsstrangresonanz. Eine detaillierte Analyse der einzelnen Systemrückwirkungen wird dadurch möglich und führt neben der Verkürzung von Entwicklungszeit auch automatisch zu qualitativ hochwertigen Ergebnissen.
 | | Bild 2: Tip-in mit „Bonanza“ Effekt |
 | | Bild 3: Verbesserte Applikation Tip-in |
Bild 3. zeigt die Verbesserung. Die Reaktion des Fahrzeuges auf einen Tip-in nach emisionsneutraler Optimierung des Drehmomentaufbaues ist deutlich zu erkennen, es ist ein stetiger harmonischer Verlauf der Längsbeschleunigung bei verbesserter Fahrdynamik erzielt.
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