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Verordnungen und Standards – Die regulatorische Seite des Testens

Bei der Durchführung von Tests im Bereich Elektrifizierung sind zahlreiche Verordnungen und Standards – herausgegeben von den unterschiedlichsten Institutionen – zu beachten. In diesem Artikel geben wir einen kleinen Überblick über die äußerst komplexe Situation. Dabei gehen wir etwas konkreter auf die wesentlichsten Richtlinien ein.

Vorab gilt es zwischen Verordnungen und Standards zu unterscheiden:

  • Verordnungen: Sie werden von staatlichen Behörden erlassen und sind verbindlich; ihre Einhaltung muss durch Bestehen bestimmter Prüfungen nachgewiesen werden.
  • Standards: Sie sind unverbindlich und werden von nicht-staatlichen Organisationen verfasst.


Basierend auf den offiziellen Verordnungen und Standards werden die Prüfvorschriften der Automobilhersteller entwickelt. Diese sind in der Regel strenger formuliert.

Zu den bekanntesten Behörden, die Verordnungen erlassen können gehören beispielsweise die
UN ECE: United Nations Economic Commission for Europe oder die
NHTSA: National Highway Traffic Safety Administration und die
FMVSS: Federal Motor Vehicle Safety Standards, beide aus den USA.

Bekannte nicht-staatliche Organisationen, die Standards herausgeben sind unter anderem die:
IEC: International Electrotechnical Commission,
ISO: International Organization for Standardisation,
SAE: Society of Automotive Engineers International,
CEN: European Committee for Standardization oder das
CENELEC: European Committee for Electrotechnical Standardization.

Die aktuell wichtigsten Standards und Verordnungen im Bereich Elektrifizierung fassen wir an dieser Stelle kurz zusammen:

UN DOT 38.3: Hierbei handelt es sich um Empfehlungen der Vereinten Nationen für die Beförderung von gefährlichen Gütern. Sie genießt eine breite internationale Akzeptanz (EU, Japan, Korea, USA, Kanada, Argentinien, Mexiko, Indien, China) und ist Grundlage mehrerer internationaler Abkommen und vieler nationaler Gesetze. Für einzelne Länder ist die UN DOT 38.3 jedoch nicht obligatorisch oder rechtlich bindend.

UN / /ECE R100.2: Diese Regelung thematisiert die Sicherheit von batterieelektrischen Fahrzeugen und umfasst insgesamt 147 technische Bestimmungen. Sie wurde von 53 Ländern unterzeichnet und gilt verpflichtend seit Juli 2016. Die UN / ECE R100.2 wird zukünftig von der GTR20 abgelöst.

ISO 12405: Der ISO-Standard 12405 wurde erstmals 2011 eingeführt und spezifiziert Prüfverfahren für die grundlegenden Eigenschaften von Leistung, Zuverlässigkeit und elektrischer Funktionalität für Lithium-Ionen-Batteriepakete und -systeme für Hochleistungs- und Hochenergieanwendungen. Typische Anwendungen für Hochleistungsbatteriepakete und -systeme sind Hybrid-Elektrofahrzeuge (HEVs) und einige Arten von Brennstoffzellenfahrzeugen (FCV); typische Anwendungen für hochenergetische Batteriepakete und -systeme sind Batterie-Elektrofahrzeuge (BEVs), Plug-in-Hybrid-Elektrofahrzeuge (PHEVs) und einige Arten von Brennstoffzellenfahrzeugen (FCVs). Die aktuellste Fassung dieses Standards ist die ISO 12405-4 aus dem Jahr 2018.

LV 123: Diese Prüfnorm thematisiert die elektrischen Eigenschaften und die elektrische Sicherheit von Hochvolt-Komponenten in Kraftfahrzeugen und geht dabei konkret auf die Anforderungen und Prüfungen ein. Europäische OEM und Zulieferer müssen diese Norm erfüllen. Hersteller, die sich an LV 123 halten, profitieren u. a. von einem systematischen Ansatz bei der Fahrzeugprüfung und einer klaren Definition der Testparameter. Zudem besteht die Möglichkeit Produktqualifikationen zwischen verschiedenen OEMs zu vergleichen.

LV 124: Diese Norm wurde von Vertretern führender Automobilhersteller zusammengestellt und befasst sich mit elektrischen und elektronischen Komponenten in Kraftfahrzeugen bis 3,5 t. Sie beinhaltet allgemeine Anforderungen, Prüfbedingungen und Prüfungen. Damit reagierten die Hersteller auf die gestiegenen Anforderungen an die Ausfallsicherheit von Baugruppen und das damit verbundene Erkennen und Beseitigen von kurzfristig auftretenden elektrischen Fehlern. Die in LV 124 beschriebenen Tests finden Eingang in die Steuergeräte-Lastenhefte der OEMs. Die Herausforderung bei diesen Prüfungen ist die komplexe Simulation von Bordnetzen, die Überwachung der Ein- und Ausgänge der Prüflinge, die Feldbus-Simulation sowie eine entsprechende Analyse und Auswertung. Insgesamt beinhaltet die Norm 22 elektrische Prüfungen.

Daneben gibt es noch eine Vielzahl weiterer Normen, die das Testen von Batterien beinhalten wie z. B.: GB/T 31467, FreedomCAR, IEC 62281, IEC 62660-1&2, UL 1642, SAE J2380 und SAE J2464.

Ausblick in die Zukunft

Die neueste Verordnung, die GTR20, ist die Globale Technische Verordnung zur Sicherheit von Elektrofahrzeugen. Sie befindet sich derzeit noch in Erarbeitung. Gemäß einer Vereinbarung von 1998 wird an der weltweiten Einführung des Dokuments gearbeitet (u. a. Nordamerika, Japan, China und Europa).

Die GTR20 ist die nächste Überarbeitung der R100.2-Verordnung und ist die einzige Verordnung, die Anforderungen und Prüfverfahren für Schwerlastfahrzeuge festlegt.

Beispiele für neu hinzugefügte Anforderungen sind u. a.:

  • Schutz gegen Stromschläge nach Aufprall
  • Schutz gegen die Folgen eines Wassereintritts
  • Schutz der Insassen bei Überhitzung der Batterie
  • Management von Gasen, die bei Ausfall der Li-Ionen-Batterie freigesetzt werden können REESS-Schutz bei niedrigen Temperaturen

Daran wird deutlich, dass die GTR 20 einen erhöhten Fokus auf die verschiedenen Sicherheitsaspekte legt.

Zusammenfassend bleibt festzuhalten, dass für Prüfungen und Tests im Bereich Elektrifizierung zahlreiche Verordnungen, Standards und Richtlinien einzuhalten sind. Für tiefergehende oder spezifische Fragen wenden Sie sich bitte an unsere Experten. Wir beraten Sie gerne individuell und erläutern Ihnen ausführlich, was Sie beim Thema Sicherheit und regulatorische Bestimmungen zu Elektrofahrzeugen beachten sollten.